Nachtblüten

 

   „Dreihundertvierundsiebzig... dreihundertfünfund-siebzig…“, murmelte Ri außer Atem und lauschte dem Geräusch ihrer tapsenden Schritte auf den Steinstufen. „Dreihundertsechsundsiebzig... dreihundertsiebenund-siebzig…“

Immer wieder schielte sie hinab auf das bunt gescheckte Meer aus Blüten oder sah sich den Himmel an, dessen Wolken sich mühten die Farben zu imitieren. Doch blieben ihre Augen hauptsächlich an den Stufen haften, um nicht versehentlich daneben zu treten.

    „Ri,… du… sollst… nicht… so… schnell… laufen…“, keuchte Ta hinter ihr, eine Hand auf die Hüfte gestemmt und sich mit der zweiten vom eigenen Knie abdrückend.

  „Du bist einfach zu langsam“, rief Ri ihr zu, konzentriert ihre eigene Erschöpfung zu verbergen.

     „Bitte, sag mir… dass es nicht mehr… weit ist…“, flehte Ta und machte eine Pause, die Augen zusammengekniffen, blind für die Schönheit ringsherum.

     „Dreihundertachtundsiebzig“, gab Ri zurück und stapfte tapfer weiter.

     „Das schaff ich nicht!“, rief Ta entsetzt und auch für Ri schien Stufe achthundertneunundachtzig in unerreichbarer Ferne, doch lockte das Versprechen, das diese mit sich brachte.

Irgendwann begannen die Blüten in der Tiefe ihre Blätter zusammenzulegen, um sie vor der nahenden Dunkelheit zu schützen, während die indigo- und violettfarbenen am Firmament die ihren allmählich entfalteten und ihre leuchtenden Pollen den nachtschwärmenden Sammlern präsentierten.

     „Fast… da“, flüsterte Ri und ihr Herz trommelte wild, als die letzte Stufe in Sicht kam. Neue Energie strömte durch ihren Körper und sie schritt zügiger aus, bis...

     „Achthundertneunundachtzig!“

Gierig streckte sie die Arme nach den Blumen aus, berührte einen der Pollen und pflückte ihn herunter. So fest sie konnte drückte sie ihren Schatz an sich, bevor sie sich umdrehte und den Weg, den sie gekommen war, wieder zurück ging. Hinab zum schlafenden Blütenwald.

 

 

Nightblossoms

 

     "Threehundredseventyfour… threehundredseventyfive…“, Ri murmured out of breath and listened to the tapping sound of her feet on the stone steps. “Threehundredseventysix… threehundredseventyseven…”

Time and again she peered down at the colorfully spotted sea of flowers or looked at the sky, whose clouds tried to imitate the hues. Yet mainly she kept her eyes on the stairs so not to miss a step and fall.

    “Ri,… you… are… too… fast…”, Ta panted behind her, one hand pressed to her side and the other clutching her knee for support.

     “You are just too slow”, Ri called out, concentrated on keeping her own exhaustion hidden from her friend.

     “Please, tell me… that it is not… far now…”, Ta whined, pausing and shutting her eyes to the surrounding beauty.

     “Threehundredseventyeight”, Ri replied.

     “I can’t do it!”, Ta yelled in horror, but her friend showed no mercy in slowing down and kept climbing.

To Ri step eighthundredeightynine seemed in unreachable distance as well, yet the promise it made lured ever stronger.

At some point the blossoms in the deep began to put together their petals, in order to protect them from the darkness closing in, while the indigo- and purplecolored ones in the heavens unfolded theirs gradually and presented their glowing pollens to the nightsworming collectors.

     “Almost there”, Ri whispered and her heart drummed wildly as the last step came into view. Fresh energy rushed through her body and she took hastier steps, until…

     “Eighthundredeightynine!”

Greedily she reached out for one of the flowers, touched a pollen and picked it. She clung to her treasure as hard as she could, turned and walked the path she had come back down to the slumbering blossom’s forest.

Das Spiel

 

     Laaaangweilig, dachte der Gnom und kaute genervt auf seiner langen Kralle. Den Blick nach unten gerichtet und auf die Tischplatte starrend. Da war ein Brandfleck darauf. Von irgendeiner Kerze, die wohl irgendein Trottel umgestoßen haben musste. Sogar Wachs klebte noch auf dem Holz.

Seine Füße schwebten über dem Fußboden und er ließ sie wild vor und zurück pendeln. Dabei wippte er ungeduldig und murrte vor sich hin.

Immer wieder tippte er einer der Spielfiguren vor ihm auf den Kopf. Zwölf an der Zahl waren es insgesamt, die da in Reih und Glied auf dem Spielfeld standen, das der Gnom auf dem Tisch ausgebreitet hatte.

     Laaaangweilig, dachte er wieder und schaute zu den Trollen am Nachbartisch hinüber, die gerade mitten in einer Partie Karten steckten und das Duell nach einer Entscheidung wohl mit den Fäusten fortsetzen würden. Damit war zu rechnen und auch der Wirt blickte schon besorgt in ihre Richtung. Widerwillig richtete der Gnom seine Aufmerksamkeit wieder auf das Spielfeld. Die Figuren schienen ihn anzusehen, zu glotzen, als würden sie ihn tadeln.

Er ergriff wahllos eine von ihnen, eine gläserne Fee mit dünnen, spitzen Flügeln und schob sie ein Feld nach vorn.

Sofort tanzte über seinem Kopf eine kleine Rauchwolke, die zischend immer größer wurde, bis die Fee ihr entstieg. Mit den klirrenden Flügeln schlagend, hielt sie sich in der Luft und schaute auf den Gnom mit seinem Spielfeld hinab,

während der Rauch gänzlich verpuffte.

     „Und? Was soll ich da jetzt dran tun?“, fragte sie empört und stemmte die winzigen Fäustchen in die Hüften.

 

 

The Game

 

     Booooring, the gnome thought irritated chewing his long claw. Looking down he stared at the table top. On there was a scorch mark. Of some candle, which some idiot must have knocked over. Its wax even stuck to the wood still.

His feet hovered above the floor and he made them swing wildly back and forth, while he himself bobbed up and down grumbling under his breath.

Again and again he tapped on the head of one of the game pieces in front of him. Twelve there were in total, standing in formation on the board the gnome had placed on the table.

     Booooring, he thought once more and peeked towards the trolls at the neighbouring table, who were right in the middle of a game of cards and who would, no doubt, continue the match using their fists after cards would no longer suffice determining a winner. That was to be counted on and the barman already looked at them with unease.

Reluctantly the gnome focused his attention back on his board. The figures seemed to look at him, to gawk, as if reprimanding him.

He took one of them at random, a glass fairy with thin, pointy wings and moved her one square forward.

Immediately a small cloud of smoke danced above his head, which became bigger and bigger hissing, until the fairy came forth out of its depths. Batting her clinking wings, she stayed airborne and looked down at the gnome and his board, while the smoke evaporated.

     “So? What am I supposed to do about it?”, she asked indignantly and put her tiny fists to her hips.

Der Fuchsgeist

 

Stolpernd, ließ ich die knarrenden Bohlen der Brücke hinter mir und wispernder Kies knirschte unter meinen Schritten, als sich vor mir der erste Torbogen von der Dunkelheit löste. Seine orange-rote Farbe glühte in der Finsternis, trotz des dichten Nebels, der zwischen den Stämmen der Bäume hervorkroch und seine eisig kalten Finger auf meine Haut legte.

Fröstelnd und nur keuchend Luft holend, trat ich auf das gewaltige Torii zu, hinter dem, eines nach dem anderen, nun weitere in Sicht kamen. Sie würden einen Tunnel bilden, sich schlangengleich um den Hügel windend, und mich, dem Himmel entgegen, an mein Ziel führen.

Da entdeckte ich jedoch eine Gestalt zwischen den Pfeilern kauern, eine alte Frau mit knorrigen Fingern und einem silbernen Strom Haare, der ihr den Rücken herab fiel. Über ihren schwarzen Kimono hatte sie eine ebenfalls schwarze Haori-Jacke gelegt, deren Säume rot abgesetzt waren und ihre Schultern bebten, als fiele es ihr schwer zu atmen. Sie hielt den Kopf gesenkt, sodass ich ihr Gesicht nicht erkennen konnte.

     „Ist mit Ihnen alles in Ordnung?“, fragte ich zaghaft und konnte nicht verhindern, dass ich selbst zu zittern begann.

Die Gestalt hob den Kopf, so abrupt, dass ich einen Schrei ausstieß. Langsam richtete sie sich auf, in einer einzigen, flüssigen Bewegung, alle Gebrechlichkeit dahin und rannte dann auf mich zu, beinahe schwebend, jedoch mit der Schnelligkeit eines Orkans.

Angst ergriff jede meiner Fasern und ich dachte noch daran zu fliehen, doch war es längst zu spät. Im nächsten Moment stand sie vor mir und starrte in mein Gesicht.

Ihres war flach wie eine Maske, weiß mit schwarzen Augen, spitzen Ohren und Tasthaaren neben einem schmalen Mund.

In meinem Kopf schrie eine Stimme, laut wie Donner, dessen Blitz in meine Finger drang. Mich umfing die tiefste aller Nächte, während mein Blut wie Gift durch meine Adern pulsierte.

 

 

Fox Spirit

 

Stumbling, I left the creaking boards of the bridge behind me and gravel began to crunch beneath my steps as the first gateway detached itself from the darkness in front of me. Orange and red it gloomed, despite the thick fog crawling from between the trees’ trunks and stroking me with icy fingers.

Shivering and panting, I stepped toward the huge Torii, now able to make out the next ones behind it. They would form a tunnel, circle the hill and lead me to my goal.

But then I discovered a crouching figure among the pillars, an old woman with bony fingers and a silver stream of hair falling down her back. She wore a black and red Haori-jacket over a black kimono and was shivering as if hardly able to breathe. Her head was bent and I could not make out her face.

     “Are you alright?”, I asked somewhat timidly, for I could not help but shiver with unease at the sight.

The figure raised her head so abruptly that I could not suppress a scream. She came to her feet in one flowing, graceful movement, all frailty forgotten and then ran towards me, almost gliding, yet with the speed of a typhoon.

Fear gripped every part of me and I thought to flee, but it was too late. The next moment she stood before me, staring into my face.

Hers was flat like a mask, white and with black eyes, pointed ears and whiskers next to a thin mouth.

Inside my head a voice screeched, loud as thunder, which’s lightning pierced my fingertips. The darkest of nights surrounded me, while my blood turned to venom in my veins.

Durch das Schlüsselloch

 

    „Wie konnte ich nur das Pech haben, an einen solchen Nichtsnutz wie dich zu geraten?“, schimpfte eine Stimme aus den dichten Rauchschwaden. „Und das ausgerechnet, wenn die Gewitterkutsche gewartet werden muss!“

    „Entschuldigt bitte, Meister“, piepste eine zweite. Diejenigen jedoch, die sprachen, waren lediglich als Schattenrisse auszumachen. Allein die sonderbare Apparatur konnte ich erkennen, aus der der Rauch stetig gen Decke quoll und die wieder und wieder leuchtende Blitze zu allen Seiten zucken ließ.

Ich blinzelte und löste mich von dem Schlüsselloch, um verwundert den Kopf zu schütteln und dann doch vor Neugierde wieder hindurch zu spähen. Die beiden Schatten - diese Gewittermacher, der Rauch, die Maschine, ja sogar die Dunkelheit waren allerdings verschwunden. An ihrer statt tanzte nun das Licht hunderter, vielleicht tausender Kerzen durch einen winzigen Raum. Dieser war mit Teppichen ausgelegt, auf die still das Wachs tropfte. Inmitten all der Kerzen, die in den verschiedensten Haltern auf dem Boden standen oder in Schalen von der Decke herab hingen, hockte ein kleines Wesen mit Hakennase und meterlangem Bart und las.

Wieder wich ich von dem Schlüsselloch zurück, denn wo nur, waren die Gewittermacher?

Doch auch, als ich das Auge abermals an das Schlüsselloch legte, fand ich sie nicht wider. Stattdessen entdeckte ich ein Tier, das aussah wie ein eben geschlüpfter Dinosaurier und zwischen Felsen das Echo seiner eigenen Rufe anschrie.

Dann: ein Mädchen, das sich von einem Trapez hinunter hängen ließ, während es seine sich entfaltenden Schmetterlingsflügel erprobte.

Dann: ein Baum, der mit seinen langen, hölzernen Fingern mit den Spinnenfäden zwischen seinen Zweigen spielte.

Ich fiel nach hinten über, in meiner Hast mich von dem unschuldig blinzelnden Schlüsselloch zu entfernen und wand mich dem Gang zu, aus dem ich gekommen war. In ihm jedoch, stand eine merkwürdige, noch immer leicht rauchende Maschine.

 

 

Through The Keyhole

 

    “How can I have been so unfortunate, to end up with such a good for nothing assistant like you?“, a voice complained from beyond the thick smoke. “And that at precisely the time the thundercoach needs to get serviced!”

      “Forgive me, master”, squeaked a second voice. Those however, who spoke, could only be made out as shadows. The strange machine alone was visible, from which the smoke billowed toward the ceiling and lightning shot in every direction.

I blinked and backed away from the keyhole to shake my head in wonder, only to peek through it again in amazement. Yet the two shadows – those stormmakers, the smoke, the machine and even the darkness were gone. In their stead the light of hundreds, maybe thousands of candles now danced through a tiny room. It was draped with carpets, onto which the wax dropped in silence. Among all those candles, that stood on the ground in various holders or hung in bowls from the ceiling, a small creature with a hooked nose and long beard crouched and read.

Again I withdrew from the keyhole, for where could the stormmakers have gone? But when I placed my eye at the keyhole once more, I could not find them either. Instead I could make out an animal sitting between rocks, that looked like a freshly hatched dinosaur and which yelled at the echoes of its own cries.

Then: a girl hanging from a trapeze, while testing her unfolding butterfly wings.

Then: a tree playing with its long, woody fingers with the webs between its twigs.

I fell backwards in haste to get away from the keyhole blinking at me innocently and turned to the corridor through which I had come here. In it however, there stood a weird, still smoking machine.

Der Schatz

 

Das Wasser war kalt, stach wie mit tausenden spitzer Nadeln in ihre Haut und drückte fest auf ihre Brust, während sie mit hastig tastenden Fingern den Grund absuchte. Immer wieder stieß sie dabei auf verstreut liegende Münzen, die in der trüben Dunkelheit matt glänzten, und steckte sie in ihren Beutel. Der eigentliche Schatz aber, blieb ihr verborgen. Und die Zeit wurde allmählich knapp.

Sie grub sich bis zu den Ellenbogen in den Sand, tauchte zwischen Felsen hindurch und kämpfte sich durch einen Urwald aus Tang, doch: Nichts! Panik setzte ein und sie schaute immer verzweifelter um sich, als ein scharfer Ruck an ihrem Hals ihre Suche jäh unterbrach.

Erschrocken griff sie nach dem Metallring, der auf ihre Haut drückte. Die Kette daran spannte sich und riss sie mit aller Macht aus der Tiefe. Als ein grell leuchtender Fleck lockte die Sonne über ihr, doch noch nie hatte sie sich so sehr davor gefürchtet sie zu sehen, wie jetzt.

Ihr Kopf stieß durch die Wasseroberfläche und keuchend rang sie nach Atem, während sie der Kampf mit der Kette ihrer letzten Kräfte beraubte. Sie konnte den Strand erkennen, zu dem man sie zerrte und auch die riesige Gestalt, die dort stand, die Fessel Meter um Meter einholend. Erst, als sie röchelnd im heißen Sand lag, ließ der Druck auf ihren Hals endlich nach.

      „Hast du ihn gefunden?“, grollte die Stimme des Monsters ungeduldig.

      „Nein… Herr“, brachte sie hustend hervor und schaffte es, sich auf ihre Hände zu stützen und aufzusetzen. „Nur… ein paar Münzen.“ Sie griff in ihren Beutel und ließ das Geld in den Sand fallen.

Das Monster schnaubte missbilligend, las dennoch die Münzen auf und warf sie achtlos in eine bereit stehende Schatulle neben seinen Füßen.

      „Ich habe dich gewarnt“, knurrte es. „Du hast versagt, also bezahlst du dafür!“ Und es hob die mächtige Faust, um sie auf ihren Kopf niederfahren zu lassen.

Da jedoch, jaulte das Monster plötzlich auf, taumelte fort von ihr und zog sich einen Pfeil aus dem Handrücken, von dem das Blut in den Sand troff.

 

 

Treasure

 

The water was cold, piercing her skin like thousands of needles and lying heavily upon her chest, while she searched the ground with frantic fingers. Again and again she came across scattered coins gleaming feebly in the muddy darkness and put them into her pouch. The real treasure however, stayed hidden from her. And time was running out.

She dug deep into the sand, dived between boulders and fought her way through a thicket of seaweeds, yet: Nothing! Panic started to rise and she looked around evermore desperately, when a sharp tug at her neck interrupted her search.

In shock she grabbed for the metal ring pressing onto her skin. The chain attached to it was taut and pulled her violently from the depths. As a blindingly glowing speck the sun beckoned from above, yet never had she been more

afraid to see it again.

Her head pushed through the water’s surface and she gasped for breath, while the struggle against the chain robbed her of her strength. She could make out the beach, towards which she was dragged, as well as the large figure standing there and hauling in the restraints yard by yard. Only when she lay panting in the burning sand the pressure on her neck finally lifted.

      “Did you find it?”, the voice of the monster snarled impatiently.

     “No… master”, she coughed, leaning onto her hands to sit up. “Only… some coins.” She grabbed into her pouch and let the money fall to the ground.

The monster snorted disapprovingly, picked up the coins anyhow and threw them into an awaiting chest next to its feet.

     “I warned you”, it growled. “You have failed, so you must pay!” And it raised a mighty fist, to let it come down on her head.

Yet suddenly the monster howled with pain, stumbled away from her and yanked an arrow out of its hand’s back. Blood dropped down upon the sand.

Blutroter Schnee

 

Er sah die Horde über die Berghänge stürmen, die weiß gleißenden Flächen zwischen den vereinzelt stehenden Kiefern- und Fichtenstämmen verdunkeln, hörte die heiseren Rufe von Gipfel zu Gipfel schallen und wandte schließlich den Blick ab. Hastig kroch er aus seinem Versteck, wobei pulvriger Schnee in dünnen Wolken um ihn herum tanzte und ihm an Haaren, Bart und Kleidern hängen blieb. Der angebundene Hengst schlug nervös mit den Hufen, ob der dröhnenden Echos und schnaubte aufgeregt. Kaum, dass er bei dem Tier angelangt war, zerrte er die Zügel vom Ast und schwang sich in den Sattel. Schon stob das Pferd davon, scheinbar bloß den Gedanken seines Herrn gehorchend, an Stelle der Befehle mit Stimme und Schenkeln und hielt zielstrebig auf das Tal unter ihnen zu.

Sein Herz schlug im Takt der galoppierenden Hufe, sein Atem ging rasch und seine Lunge schmerzte auf Grund der eisigen Kälte. Schon von Weitem sahen ihn seine Kameraden kommen, als weißen Schweif, der den Hang herab auf sie zugeschossen kam. Ihr Schlachtgeschrei antwortete den Stimmen, die von den Bergen zu ihnen wehten und zeitgleich setzten sich alle Reiter in Bewegung. Pferde bäumten sich auf, sprangen vorwärts oder wieherten der aufgehenden Sonne entgegen, deren erste Strahlen sich nun über die Ebene ergossen, sie Gold verfärbten und mit blendendem Licht fluteten.

Er hielt in wilder Raserei auf die Flanke der Truppe zu, während die ersten Männer das Tal erreichten. Unbeeindruckt stürmten sie den Reitern entgegen. Er zog sein Schwert, machte sich kampfbereit und im nächsten Augenblick ergoss sich tiefrotes Blut über den weißen Schnee.

 

 

Blood Red Snow

 

He saw the horde storming down the mountainsides, darkening the white glowing areas between the pine tree and spruce trunks, heard their hoarse roars echo from peak to peak and finally averted his gaze. Hurriedly he crawled from his hideout, powdery snow dancing in thin clouds around him and settling in his hair, beard and garments. The tied steed beat its hooves nervously, fearing the thundering echoes and panted anxiously. The instant he reached his mount he yanked the reins free from the branch and pulled himself into the saddle. Immediately the horse jumped forward, apparently obedient to its master’s thoughts rather that to his commands given by voice or leg and rushed toward the glen below.

His heart hammered with the galloping hooves, his breath went rash and his lungs ached, drawing in the icy cold. From afar his comrades could make him out as a white wisp that came shooting down the slope toward them. Their battlecries answered the voices blown to them from the mountains and in unison all riders started forwards. Horses reared, jumped ahead or neighed at the rising sun, which’s beams poured across the plain, turning it gold and flooding it with light.

In a wild fury he rushed at the troop’s flank, while the first men reached the glen. Unimpressed they stormed toward the riders. He drew his sword, readying himself for the fight and in the next moment deep red blood was spilled across the white snow.